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Wahl des geringsten Übels

Von Hendrik in Politik am 24.09.2017


Die Bundestagswahl 2017 wird dargestellt als Wahl gegen die AfD. Das hat auch den Wahlkampf schlaff wirken lassen. Ist es nicht viel erfolgversprechender, nicht gegen die AfD, sondern vielmehr für den Humanismus zu wählen?


Er kann sich über so viel kostenfreie Werbung nur freuen: Alexander Gauland, hier auf einer Demo 2015 (CC BY-NC-ND 2.0 by James Rea; https://www.flickr.com/photos/james_rea/22242950533/)
Er kann sich über so viel kostenfreie Werbung nur freuen: Alexander Gauland, hier auf einer Demo 2015 (CC BY-NC-ND 2.0 by James Rea; https://www.flickr.com/photos/james_rea/22242950533/)

Was für ein Wahlkampf hinter uns liegt. Diese Emotion, diese Differenzen und Diskurse über wichtige Themen für unsere Gesellschaft. Diese Qual der Wahl — wähle ich jetzt lieber das linke Steuerkonzept oder das grüne? Und gebe ich SPD oder CDU die Erststimme, um mich stark zu machen für Rot-Rot-Grün respektive Schwarz-Gelb? Schwierige Fragen — die sich eigentlich niemand wirklich stellen musste in diesem Wahlkampf. Die Wochen vor der Wahl waren langatmig, geprägt von einer ekeligen Symbiose zwischen Mutti Schulz und Martin Merkel und nichts, aber auch gar nichts Neuem. Man musste schon froh sein, dass Linke, Grüne und FDP überhaupt positiv für bestimmte Positionen warben, und nicht einfach für ein "Wir machen das anders und deshalb besser als die andere Partei!"

Inhalte hat man bei dieser Wahl genauso vergeblich gesucht wie echte Differenzen zwischen den Parteien. Vor allem bei Grünen, FDP und Linken liegt das allerdings weniger daran, dass es keine gäbe. Es liegt daran, dass ein Thema die Wahl überschattet hat wie ein riesiger Drache: Die AfD! Seit ihrer Gründung 2013 und ihrem Aus-dem-Stand-4.9-Prozent ist sie nicht mehr wegzudenken aus der deutschen Parteienlandschaft und wird gezeichnet als antidemokratischer Dämon, der bei der ersten Chance Demokratie, Grundgesetz und Anstand abschaffen wird.

Ich möchte hier nicht relativieren, was für ein Scheißverein die AfD ist — natürlich werden sie versuchen, gewisse Dinge durchzudrücken, die schlicht nicht tragbar sind. Und ja, das Grundgesetz der Bundesrepublik ist ein Wertekanon, den ich persönlich ebenfalls erhaltenswürdig finde — trotz dass ich mit den meisten der Gründungsväter nicht einverstanden wäre — und für den es sich zu kämpfen lohnt. Was mich nur massiv am Wahlkampf gestört hat: Dadurch, dass die AfD so riesengroß war, musste jede*r, der*die etwas auf sich hielt, sich klar positionieren. Das ist auch gut und schön. Aber wenn man diese Entscheidung jeden Tag affirmieren muss, jeden Tag aufs neue erklären muss, dass die AfD nicht wählbar ist, dann geht es am Ende nicht mehr um das Parteiprogramm der Partei auf dem Stimmzettel, sondern so wird jede Wahl letztlich eine Wahl des geringeren Übels.

Darum, wenn ihr gleich wählen geht: Wählt bloß nicht gegen die AfD! Wählt nicht die Nicht-AfD. Sondern wählt die Partei, von deren Parteiprogramm ihr überzeugt seid. Wählt die Partei, die euch am besten im Parlament repräsentiert. Wählt nicht gegen Faschismus, sondern für Humanismus.


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