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HowTo: Basis

Von Hendrik in Sonstiges am 20.03.2017


Das zentrale Vorlesungsverzeichnis an der Uni Bonn ist den meisten Menschen immer noch ein Rätsel. Ein Versuch der Klarifizierung.


Symbolbild: Wie BASIS von innen aussieht (CC Zero by Patryk Grądys, https://unsplash.com/photos/4pPzKfd6BEg)
Symbolbild: Wie BASIS von innen aussieht (CC Zero by Patryk Grądys, https://unsplash.com/photos/4pPzKfd6BEg)

Unter Nemesis wird in der Regel heute ein ewiger Gegenspieler verstanden, ein Erzrivale, eine Art persönlicher Todesengel bzw. ein Todfeind oder sogar ein nicht personifizierter Todbringer beziehungsweise eine tödliche Bedrohung.

Dies ist die offizielle Beschreibung des Nemesis, bezogen aus der deutschsprachigen Wikipedia. Und just dies dürfte wohl eine adäquate Beschreibung der Gedanken sein, welche zahlreiche Studierende der Universität Bonn plagen ob des nicht zwangsläufig eingängigen Systems BASIS. BASIS, das ist die Grundlage eines jeden Studiums in Bonn (abgesehen von einigen Fachbereichen, die sich dem Neuen des sogenannten "Internets" noch nicht verschrieben haben). BASIS ist trotz der offiziellen Großschreibung keine Abkürzung für irgendeinen Fancy-Begriff, sondern steht zum einen für das elektronische Vorlesungsverzeichnis der Uni Bonn, und zum anderen für eingangs zitierten Nemesis aller Studierenden. Einmal pro Semester, meist gegen Ende, zur Hochphase des Hausarbeitenschreibens, häufen sich in den sozialen Medien die panischen Fragen zahlreicher Studierender, die Belegungsprobleme haben. Nachdem die Server, die zu Beginn meines Studiums in Bonn der Hauptgrund vielgearteter Frustration waren, da sie mit an Regelmäßigkeit grenzender Wahrscheinlichkeit abstürzten, mittlerweile zuverlässig laufen, bleibt der Hauptgrund von Beschwerden aller Studierender nur die eigentliche Hauptfunktion des Systems: das Belegen von Seminaren, Vorlesungen und Prüfungen.

Während ich mich hier weniger auf administrative und bürokratische Fragen konzentrieren will, möchte ich aufgrund der derzeit wieder grassierenden Ratlosigkeit bezüglich der Belegung einige grundlegende Fragen bezüglich Prioritäten und dem tatsächlichen Prozess der Zuteilung von Seminarplätzen addressieren. Ich denke zudem, dass es sinnvoll ist, das ganze aus einer programmatischen Perspektive zu erledigen, da BASIS herunter gebrochen vornehmlich noch eines ist: ein Programm; eine Abfolge von Programmzeilen und damit letztlich ein extrem berechenbares Stück Maschine.

Ich werde versuchen, in menschenlesbarer Form den Vorgang eines Belegens mit meinen mittlerweile sechs Jahren Erfahrung zu erläutern, sodass zumindest die Fragen bezüglich der optimalen Belegung geklärt sein wären. Für alles andere gibt es einen übersichtlichen Kalender mit allen Fristen sowie die jeweiligen Studiengangs-Handbücher.


Wie eine BASIS-Vergabe abläuft

Das folgende Argument werde ich entgegen des eigentlichen Prozesses umgekehrt erklären, weil es so einfacher zu verstehen ist. Ich beginne also mit der fertigen Vergabe und ende mit der Belegung von Seminaren.

Der fertige Stundenplan

Der fertige Stundenplan sieht selten wie gewünscht aus: Es fehlen zahlreiche Seminare, für die man sich eigentlich angemeldet hatte, dafür ist man in Seminare gelangt, die eigentlich am untersten Ende der Belegungskette standen; manche Module fehlen vollständig und manchmal scheint BASIS das eigene Nebenfach für gänzlich irrelevant zu halten. Das alles liegt jedoch logischen (da im Kern des Programms festgeschriebenen) Regeln zugrunde. Schauen wir uns verschiedene Stundenpläne an, lassen sich die ersten Vorgaben, die BASIS bei der Zuteilung der Seminare verfolgt, ableiten:

  1. Es gibt keine Überschneidungen. Es wird keinen Stundenplan geben, in welchem urplötzlich zwei Seminare übereinander liegen, dementsprechend braucht auch kein Studierender eine von diesen fancy Uhren, mit welcher Hermine ihre zahlreichen Überbelegungsprobleme in Hogwarts lösen konnte.
  2. Es kommt vor, dass man zwar in ein Seminar gelangt ist, welches beispielsweise mit Priorität 3 eigentlich nicht hoch angesetzt war, jedoch nicht in ein zeitgleiches, welches sowohl prioritär (Platz 1) als auch von der Anzahl zugelassener Studierender noch möglich gewesen wäre — BASIS kann euch also auch einen sicheren Platz in einem wenig begehrten Seminar mit Priorität 1 wegnehmen und euch stattdessen ein viel langweiligeres (und potenziell überbelegtes) Seminar kredenzen.

Während die erste Regel einleuchtend ist (BASIS hat seitens der Programmierung die Vorgabe "Wenn an Zeitplatz X bereits ein Seminar ist, lasse den Studierenden nicht zu einem weiteren Seminar zu, welches zeitgleich stattfindet."), erfordert die zweite Regel etwas mehr Erläuterung, was uns zum nächsten Punkt führt:

Die Vergabe seitens BASIS

BASIS teilt die Seminare anhand eines festgelegten Programmschemas fest, das, einmal dargelegt, eigentlich überhaupt nicht schwer ist. Doch dazu zunächst ein kurzer Exkurs in die universitären Strukturen:

An der Uni Bonn werden die Studiengänge hierarchisch in einem Baumdiagramm organisiert, in der folgenden Form:

  1. Universitätsebene (quasi die Wurzel des gesamten Baumes)
  2. Fakultät (Philosophische, juristische, Mathematisch-Naturwissenschaftliche, etc.)
  3. Institut (Institut für Philosophie, für Mathematik, für Geschichtswissenschaft, für Politische Wissenschaft und Soziologie)
  4. Studiengang (Komparatistik, Politik & Gesellschaft, Geschichtswissenschaft, Skandinavistik)
  5. Module (hier werden meine Beispiele aus anderen Instituten jetzt dünn: Einführungsmodul Mittelalter, Epochenmodul Neuzeit, Basismodul Politik und Gesellschaft, Basismodul Methoden, Weltpolitische Problemfelder)
  6. Seminartypen (Seminar 1, Seminar 2, Übung, Proseminar, Vorlesung)
  7. Veranstaltungen (mehrere Veranstaltungen in Seminar 1 zur Auswahl, ebenso mehrere Proseminare zur Auswahl)

Diese Struktur findet sich exakt so auch in BASIS (wenn ihr euch durch eure Studiengänge blättert, werdet ihr, angefangen mit Ebene 4, eurem Studiengang, auch jedesmal gezwungen, euch durch den ganzen Baum bis auf Ebene 6 hinunter zu klicken, um Seminare zu belegen).

Was sind eigentlich Prioritäten?

Was jetzt genau Prioritäten sind, muss ich vermutlich nicht erklären (Priorität 1 ist höher als Priorität 2), und dennoch führen genau diese zu der meisten Verwirrung, was jedoch daran liegt, dass nie klar erklärt wird, wo der Gültigkeitsbereich ebendieser Prioritäten liegt.

Der Gültigkeitsbereich ist jedoch essenziell wichtig für ein Verständnis der Funktionsweise von BASIS. Die zugrundeliegende Regel ist: Eine Prioritätenvergabe zählt ausschließlich und exklusiv nur auf der Ebene der Seminartypen, also Ebene 6! So erklärt sich auch, dass ihr pro Seminar immer eine Priorität 1 vergeben könnt, obwohl die Seminare selbst auf einer Seite untereinander angeordnet sind. Jede Reihe von Prioritäten zählt also ausschließlich pro zu belegendes Seminar — wenn in einem Vertiefungsmodul Theorie- und Ideengeschichte also beispielsweise zwei Seminare gefordert sind (bei BASIS eingetragen als Seminar 1 und Seminar 2), dann muss also auch zweimal Priorität 1 vergeben werden. Mehr Sinn machen diese Ausführungen, wenn euch auffällt, dass sowohl Seminar 1 als auch Seminar 2 dieselben Seminare aufführt, d.h. pro Modul erhaltet ihr zweimal dieselbe Liste (gesetzt dem Fall, dass es sich um zwei gleichberechtigte Seminare handelt, bei Proseminar/Übung erhaltet ihr nicht dieselben Listen! Klickt euch durch die Module der Master-Studiengänge Politikwissenschaften oder "Gesellschaften, Globalisierung und Entwicklung" des Instituts für Politische Wissenschaft und Soziologie, dort sehen fast alle Module so aus).

Wieso bekommt man überfüllte Priorität 3-Seminare, nicht aber die unbeliebten Priorität 1-Seminare?

Mit diesem Wissen kann es jetzt weiter gehen zur Frage, wieso im fertigen Stundenplan manchmal unliebsame Seminare vergeben werden — und zwar auf Kosten weit höher bewerteter Seminare. Wie bereits ausgeführt gelten Prioritäten nur pro ein einzelnes Seminar — BASIS ist es also völlig egal, wenn ihr in einem Seminar eine Priorität 3 vergeben habt, während es euch noch ein anderes Seminar zuweist. Das liegt am Mechanismus, mittels dem BASIS die Prioritäten vergibt. Um das ganze System zu verstehen, hier also mal ein programmatischer Ablauf einer Belegung:

Wie BASIS vergibt

Auch das lässt sich in einer wundervollen Liste aufbereiten:

  1. Manuell wird die Möglichkeit, sich für Seminare anzumelden, abgeschaltet. Ab diesem Punkt kann sich kein*e Studierende*r mehr für irgendetwas anmelden. Das ist notwendig, um Probleme bei BASIS zu vermeiden (stellt euch vor, BASIS vergibt grade und dann fällt irgendwem noch siedend heiß ein Seminar ein, was er haben will — ein BASIS-Durchlauf dauert mehrere Stunden und der muss immer komplett ablaufen, um eine Belegung zu schaffen).
  2. BASIS wird gesagt: "Belege!" und es ward Belegung:
  3. BASIS reiht sich alle einzelnen Seminare aller Institute aneinander. Es ist also eine riesige Kette (für die Kenner unter euch: ein Array) nach dem Format "Institut X, Modul Y, Seminar 1", "Institut X, Modul Y, Seminar 2", "Institut X, Modul Y, Seminar 3" usf. Wie auffällt, guckt sich BASIS selbst nur die einzelnen Seminare gleichberechtigt an; BASIS kennt keine Hierarchien (<3).

Nun folgt der eigentliche Belegungsvorgang, der wie folgt abläuft:

  1. Für jedes Seminar aus Liste "Seminarliste" tu folgendes:
    1. Für jede Priorität von 1 bis 10 tue folgendes:
      1. Für jede Veranstaltung aus dem Seminar tue folgendes:
        1. Nimm alle Personen, die die Veranstaltung mit der aktuellen Priorität gewählt haben. Wirf aus dieser Liste alle Personen heraus, denen du bereits im selben Zeitraum eine Veranstaltung zugewiesen hast und berücksichtige sie nicht.
        2. Wenn die Zahl aller Personen, die die Veranstaltung mit dieser Priorität gewählt haben, größer ist als die Anzahl an freien Plätzen, wähle zufällig diese Zahl an Personen aus und weise ihnen das Modul zu.
        3. Wenn die Zahl kleiner ist als die Anzahl freier Plätze ist, weise allen Personen, das Seminar zu.
  2. Melde: "Ich habe fertig"

Soweit ist das ganze Prozedere eigentlich nicht kompliziert. Für jedes Seminar werden alle zehn Prioritäten abgelaufen und für jede Priorität alle Veranstaltungen — somit wird sicher gestellt, dass zunächst alle Veranstaltungen in dem jeweiligen Seminar mit Priorität 1-Studierenden gefüllt werden, danach die Restplätze unter den Priorität 2-Studierenden verteilt werden und je nach Beliebtheit noch mit denen aus Priorität 3, 4, 5 und so weiter. Und wenn dann alle Veranstaltungen voll sind, geht BASIS zum nächsten Seminar weiter.

Dennoch einmal an einem Praktischen Beispiel; dabei bediene ich mich am Basismodul Theorie- und Ideengeschichte des Bachelor-Studiengangs "Politik und Gesellschaft". Trifft so aber auf alles andere auch zu.

Zunächst die Seminarliste:

  • "Seminar": Vorlesung
    • Keine Veranstaltungen in der Liste, da in diesem Semester nicht angeboten
  • "Seminar": Übung
    • Keine Veranstaltungen in der Liste, da in diesem Semester nicht angeboten
  • "Seminar": Proseminar
    • "Erving Goffmans Theorie totaler Institutionen" (Do, 12-14 Uhr, 30 Plätze)
    • "Lektüreseminar: Thorstein Veblen: Die Theorie der feinen Leute" (Mi, 16-18 Uhr, 30 Plätze)
    • "Politische Kultur(en) – theoretische Grundlagen und Forschungsperspektiven" (Do, 10-12 Uhr, 30 Plätze)
    • "Theorien politischer Gerechtigkeit von Hobbes bis Gauthier" (Mo, 18-20 Uhr, 30 Plätze)
    • "100 Jahre Zeitgeschichte – Begriff, Disziplin, Forschungen und Institutionen" (Di, 16-18 Uhr)
    • "Demokratietheoretische Debatten" (Mo, 16-18 Uhr, 30 Plätze)

Wir haben also nur ein Seminar mit sechs Veranstaltungen. Für mehrere Seminare stellt euch das einfach sinnbildlich vor; das ist jetzt quasi ein Block von ganz ganz vielen die intern ablaufen, wenn BASIS für alle möglichen Fakultäten vergibt. Jedes Seminar ein eigener Block.

Nun die Veranstaltungen. Zunächst Goffmann. Es gibt insgesamt 30 freie Plätze.

Zunächst alle Personen die Priorität eins darauf vergeben haben, es sind insgesamt 10 Personen.

Hat eine dieser Personen zum Zeitpunkt der Veranstaltung (Do, 12-14 Uhr) bereits ein Seminar? Antwort: nein => Alle Personen bleiben drin.

Diesen zehn Personen wird die Veranstaltung zugewiesen. Bleiben noch 20 freie Plätze.

Nun die nächste Veranstaltung (immer noch Priorität 1), das Lektüreseminar.

Alle Personen, die das Seminar mit Priorität 1 ausgewählt haben, werden ausgewählt. Es handelt sich um 15 Personen.

Hat eine dieser Personen zum Zeitpunkt der Veranstaltung (Mi, 16-18 Uhr) bereits ein Seminar? Antwort: Ja, drei Personen haben zu einem vorherigen Zeipunkt bereits den Zuschlag zum Basismodul Regierungslehre-Proseminar "Alter und politische Partizipation", das zeitgleich stattfindet erhalten. Ungeachtet Priorität eins werden diese Personen rigoros raus geschmissen. Warum? Einfach, weil das Seminar im Basismodul Regierungslehre in der Seminarliste vor dem Modul Theorie- und Ideengeschichte lag und dort die Plätze zuerst vergeben wurden. Bleiben noch 12.

Ohne das jetzt komplett durch zu gehen, sollte der Vorgang jetzt hoffentlich verständlich sein. Falls nicht, nutzt gerne die Kommentarfunktion, sodass ich den Artikel nach und nach anpassen und verdeutlichen kann! Dieser Artikel soll ja helfen, nicht mehr verwirren!


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